Pachelbel Johann PDF Drucken E-Mail
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Johann Pachelbel (1653 - 1706)

     
2006 jährt sich zum 300. Mal das Todesjahr von Johann Pachelbel. Vielen ist er als Orgelkomponist bekannt; dass er aber auch eine grössere Anzahl von Chor- und Vokalwerken komponiert hat, scheint fast unbekannt. Viele dieser Werke überschreiten einen einfachen bis mittleren Schwierigkeitsgrad nicht und zeugen doch von einer grossen Kunstfertigkeit und Fantasie des Komponisten. Es sind oft in ihrer Art sehr wirkungsvolle Sätze. Diese Seite soll einladen, sich vertieft mit den Werken eines wichtigen Meisters vor Bach zu befassen.

Chorwerke in neuen Ausgaben

Hier finden Sie ein Liste der 2006 im Handel erhältlichen Chorwerke von Pachelbel (pdf)

 

Bibliographie

Woodward, Henry Lynde
A study of the Tenbury manuscripts of Johann Pachelbel. Ph. Dissertation, Harvard University, 1952 - 2 Bände, 600 Seiten, darin sind die 6 oben unter WD genannten Stücke in Partiturform publiziert. (Kopien dieser Werke können beim Webmaster eingesehen werden)

Hans Heinrich Eggebrecht gibt in seinem Artikel über Pachelbel im MGG (Musik in Geschichte und Gegenwart, Kassel 1962) einen recht umfassenden Überblick über Pachelbels Leben und Werk. Ein kurzer Lebenslauf, verfasst von Peter Reichert, findet sich unten.

Eine gute Übersicht über die Vokalwerke, ebenfalls von Hans Heinrich Eggebrecht, findet sich in der Zeitschrift "Archiv für Musikwissenschaft" (11. Jahrgang 1954, Heft 2, Trossingen).

Leider ist nur ein kleiner Teil der Chorwerke von Pachelbel in aktuellen Ausgaben greifbar. Hier klafft nach wie vor eine schmerzliche Lücke.

Gesamtausgabe

Bei Bärenreiter ist eine neue Gesamtausgabe geplant,  Infos zur geplanten Gesamtausgabe hier.


Diskographie

Zwei neuere CD's können wir empfehlen:
- Pachelbel: Festmusik mit dem Johann Rosenmüller Ensemble (Christophorus)
- Pachelbel: Osterkantaten mit La Capella Ducale und Musica Fiata musizieren

Infos zu diesen und weiteren CD's gibt es hier



Biographie

Nachfolgender kurzer Lebenslauf Pachelbels stammt von Peter Reichert, herzlichen Dank für die "Abdruckerlaubnis". Den ganzen Text kann man unter www.orgelakademie.ch nachlesen.

 Pachelbels Leben ist gut dokumentiert; bei einem Mann von seinem Ruhm ist das nicht verwunderlich. Um so erstaunlicher ist der Umstand, daß von ihm kein bekanntes Bildnis existiert.
Pachelbels Vater war Flaschner, d.h. Weinhändler. Aus seinen zwei Ehen gingen 14 Kinder hervor. Johann stammt aus der zweiten Ehe. Er war von Kindheit an wissenschaftlich und besonders musikalisch interessiert. Beim Stadt-Musikdirektor Heinrich Schwemmer erhielt er seinen ersten Instrumentalunterricht. Während seiner Studienzeit an der Universität in Altdorf versah er dort auch den Organistendienst an der Pfarrkirche St. Lorenz. Da der Vater in finanzielle Schwierigkeiten geriet und sein Haus verpfänden mußte, wurde er 1670 als Alumnus in das Regensburger prot. Gymnasium poeticum aufgenommen; dies, wie Mattheson sagt, "in Ansehung seiner herrlichen Eigenschaften". In dieser Zeit war er Privatschüler von K. Prentz, der seinerseits Schüler von Kerll war und also in der Tradition der süddeutsch-italienischen Schule stand. 1673 ging er nach Wien, wo er als Vicarius eines berühmten St. Stephans-Organisten amtete, dessen Namen wir aber nicht kennen. 1677 wurde er als Hoforganist nach Eisenach berufen. Dort verband ihn Freundschaft mit Ambrosius Bach, dem Vater Sebastians. Pachelbel wurde 1680 Pate von Ambrosius' Tochter Johanna Juditha. Auch zu anderen Mitgliedern der Familie Bach bestanden persönliche Beziehungen. 1678 ging er als Organist der Predigerkirche nach Erfurt, wo er zwölf Jahre amten sollte, versehen mit einer "Universal-Recommendation" von Kapellmeister Eberlin, der Pachelbel einen «perfecten und raren Virtuosen» nennt.
      In Erfurt hatte Pachelbel unter anderem die Verpflichtung, «jedes Jahr am Festtag S. Johannis Baptistae nach geendigtem Nachmittagsgottesdienst zum Andenken seiner Reception das ganze Orgelwerk mit allen seinen Stimmen und Registern [!] in lieblicher und wohlklingender Harmonia eine halbe Stunde lang durchzuspielen und also für der beharrenden Gemeinde sich hören zu lassen, wie er sich in seinem Amte bisher gebessert hat».1
     Von 1686 an kam für drei Jahre Johann Christoph Bach, der älteste Bruder Johann Sebastians, zu Pachelbel in die Lehre. Bei diesem hat der verwaiste Johann Sebastian später Aufnahme gefunden. Das Notenbuch, das er dort nächtens abgeschrieben haben soll und das ihm Christoph kurz vor der Vollendung abgenommen haben soll, wird wohl auch viele Stücke Pachelbels enthalten haben. 1681 heiratete Pachelbel. Schon zwei Jahre später starben seine Frau und sein kleines Söhnchen an der Pest, die 1683 in Erfurt wütete. Dieses traurige Erlebnis veranlaßte Pachelbel zu der Komposition und Herausgabe der "Musicalischen Sterbens-Gedancken", welche in Choralvariationen bestehen. (Die Pest wütete furchtbar in Erfurt; nach 1683 breitete sie sich so aus, daß z.B. die Gottesdienste teilweise eingestellt werden mußten, weil keine Pfarrer mehr da waren, oder daß der Schulunterricht eingeschränkt und teilweise sogar ganz eingestellt werden mußte. Als die Pest 1684 vorbei war, waren 9437 Menschen daran gestorben, wovon 14 evangelische Geistliche waren.)2
     1684 heiratete Pachelbel zum zweiten Mal. Aus dieser Ehe stammten zwei Töchter und fünf Söhne, von denen besonders Wilhelm Hieronymus als Musiker und Johann Michael als Instrumentenmacher hervortraten. In seiner Erfurter-Zeit entstanden auch Pachelbels "Acht Choräle zum Praeambulieren". Seine Bestallungsurkunde verpflichtete Pachelbel, alljährlich am Tage Johannes' des Täufers nach dem Gottesdienst durch ein halbstündiges Konzert der Gemeinde die Orgel vorzuführen und sich als Organist neu auszuweisen. 1690 verließ er Erfurt, was für die Stadt sicher ein großer Verlust war. Sein Nachfolger an der Predigerkirche wurde zunächst sein Schüler Nikolaus Vetter, 1691 dann Heinrich Buttstett. Pachelbel ging als Hof-Musicus und Organist nach Stuttgart, versehen mit einem "Attestat seines Wohlverhaltens" seiner Erfurter Behörden. Schon 1692 floh er von dort infolge der französischen Invasion nach Nürnberg. Im Herbst des gleichen Jahres wurde er als Stadtorganist nach Gotha berufen und im Dezember sogar nach Oxford. Pachelbel war aber schon als Nachfolger Weckers in Nürnberg bestimmt, und so reichte er 1695 in Gotha sein Entlassungsgesuch ein, worin er ausführt, er habe den Nürnbergern "allbereit schrifftliche Versicherung" gegeben, "unaußbleiblich" zu erscheinen. Im Juli trat er das Amt als St. Sebaldus-Organist an, wo er vom Prediger Feuerlein mit dem Druck seiner Orgelpredigt begrüßt wurde. Zehn Jahre versah er dieses Amt bis zu seinem Tod am 8. März 1706. Mattheson sagt: "mit welchem Ruhm er diesem Amt vorgestanden sey, das ist fast Weltkündig".


1 Zitiert nach: Ernst Ziller, Der Erfurter Organist Johann Heinrich Buttstädt (1666-1723), Beiträge zur Musikforschung, hrsg. von Max Schneider, Bd. 3, Halle/Saale und Berlin 1935, Reprint im Georg Olms Verlag, Hildesheim und New York 1971, S. 17.
2 Wie Anm. 1, S. 9. © Peter Reichert

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 10. März 2009 um 13:00 Uhr